Glücksspielsurvey 2025: Was die Zahlen und Limits wirklich zeigen

Shownotes

Was der Glücksspiel-Survey 2025 über das Spielverhalten in Deutschland zeigt. Welche Spielformen besonders relevant für Risiken und Probleme sind. Wie die Ergebnisse für Prävention, Beratung und Regulierung einzuordnen sind. Warum höhere Einsatzlimits fachlich kritisch bewertet werden.

Verena Küpperbusch spricht mit Dr. Jens Kalke über den Glücksspiel-Survey 2025, aktuelle Ergebnisse zum Spielverhalten und die Einordnung neuer Einsatzlimits.

Wir blicken hinter die Kulissen des Glücksspielgeschehens. Neben vertiefenden Gesprächen mit Expertinnen und Experten veröffentlichen wir regelmäßig kurze, prägnante Folgen, in denen wir einzelne Fakten einordnen und wissenschaftlich fundiert beleuchten.

Wir analysieren die Strukturen und Dynamiken der Glücksspielindustrie, diskutieren regulatorische Rahmenbedingungen und nehmen das Hilfesystem in den Blick: von Prävention und Beratung bis hin zu Behandlung und Versorgung Betroffener. Ziel ist es, komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen, Risiken einzuordnen und aktuelle Entwicklungen kritisch zu begleiten.

Warum dieser Podcast?

Glücksspielsucht betrifft nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Partner:innen, Familien und Freundeskreise. Mit „Ausgezockt“ möchten wir: • Betroffenen und Angehörigen eine Stimme geben, • Verständnis für die Dynamik von Glücksspielabhängigkeit schaffen, • über Risiken von Automatenspiel und Spielhallen aufklären und • Wege in Beratung und Selbsthilfe sichtbar machen.

Der Podcast richtet sich an Betroffene, Angehörige sowie alle, die sich für Prävention und Aufklärung im Bereich Glücksspielsucht interessieren.

Hilfe & Beratung

Wenn Sie Unterstützung suchen: www.ausgezockt.de

Kostenfreies Hilfetelefon Glücksspielsucht: 0800 077 66 11 Das Hilfetelefon ist anonym und bundesweit erreichbar.

Herausgeberin

Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW

Transkript anzeigen

00:00:46: Willkommen zu einer neuen Folge von Ausgezockt über Sucht und System.

00:00:50: Ich bin Verena Küpperbusch, heute schauen wir auf eine der wichtigsten Datengrundlagen zum Glücksspiel in Deutschland den Glückspiel-Service twenty-fünfundzwanzig.

00:01:00: Wie viele Menschen in Deutschland spielen eigentlich um Geld?

00:01:03: Wer ist besonders gefährdet?

00:01:05: Welche Spielformen sind besonders riskant?

00:01:07: Und was bedeuten die aktuellen Zahlen für Prävention, Suchthilfe?

00:01:12: Dafür habe ich mir einen Gast eingeladen, der diese Daten nicht nur kennt, sondern seit Jahren mit erarbeitet und einordnet.

00:01:20: Dr.

00:01:20: Jens Kalke ist Sozialwissenschaftler am Institut für interdisziplinäre Sucht- und Brogenforschung in Hamburg – kurz ISD – und ist Mitautor des Glücksspielsurveys twenty-fünfundzwanzig.

00:01:33: Mit ihm sprechen wir heute über die wichtigsten Ergebnisse des Surveys, über riskante Spielformen wie virtuelle Automatenspiele und über die Frage, ob der aktuelle Kurs der Regulierung eigentlich zu den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen passt.

00:01:48: Schön, dass du da bist, lieber Jens!

00:01:49: Ja,

00:01:50: schönen guten Tag Verena.

00:01:51: Vielen Dank für deine Einladung.

00:01:53: Jens, magst du uns zum Einstieg vielleicht kurz erklären was genau ist eigentlich der Glücksspielsurvey?

00:01:59: Was wurde untersucht und mit welchem Ziel?

00:02:01: Also Survey kann man jetzt erstmal auch mit Repräsentativ-Befragungen übersetzen.

00:02:08: also wir verfolgen mit dem Survey zumindest das Ziel repräsentative Aussagen für die bundesrepublikanische Bevölkerung zu machen.

00:02:17: Diesen Survey gibt es schon seit sieben, wird alle zwei Jahre erhoben.

00:02:22: Das hat bis zum Jahr und neunzehn die BZGA in Zusammenarbeit mit Forsa gemacht und wir machen das seit dem Jahr einundzwanzig.

00:02:31: also wir waren dreimal mit dem Survey im Feld zumindestens näherungsweise repräsentativ versucht, die Glücksspielteilnahme der erwachsenen Bevölkerung.

00:02:44: Wir haben aber auch sechzehn- und siebzehnjährige ein Stück weit mit drin und die Glückspielprobleme zu erheben.

00:02:50: Ferner fragen wir auch nach der Bekanntheit und Akzeptanz von Maßnahmen des Spieler- und Jugendschutzes.

00:02:56: Und damit soll eine empirische Grundlage geliefert werden um einen Stück weit auch zu überprüfen ob ob der Jugend- und Spielerschutz in Deutschland in die richtige Richtung war.

00:03:09: Jetzt hast du gerade die BZGA Untersuchung schon erwähnt, und inwieweit lassen sich die Zahlen da vergleichen?

00:03:17: Ja, die sind nur teilweise vergleichbar, weil wir haben zwei wesentliche Veränderungen vorgenommen, weil es international darüber Erkenntnisse gibt ... dass man nicht mehr wie früher das Repräsentativverhalten im Glücksspielbereich erheben kann.

00:03:35: Also die BZGA hat das damals über eine rein telefonische Befragung gemacht, das war damals auch noch vor fünfzehn Jahren State of the Art.

00:03:44: so hat man das in vielen Befragen weltweit gemacht.

00:03:48: Man weiß aber entwissen, dass man über Telefoninterviews immer weniger Personen erreicht war zum Beispiel jüngere Menschen, die haben dann ausschließlich Mobiltelefon und blockieren auch fremde Anrufe.

00:04:03: Und deshalb gibt es darüber eine Diskussion, dass man damit nicht mehr so realistisch das Glücksspielverhalten abbilden kann.

00:04:13: Deshalb haben wir gesagt als das neu ausgeschrieben worden ist im Jahr einundzwanzig.

00:04:18: Wir mischen das mit Online-Befragung.

00:04:21: Das ist jetzt unsere Methodik.

00:04:23: Also, wir machen ungefähr acht tausend Telefoninterviews nach wie vor.

00:04:27: Wir haben uns nicht gänzlich davon verabschiedet und zu einem Drittel haben wir dann ja Online-Befragungen.

00:04:35: Und man weiß aus der Forschung dass man über die Telefonerhebung kriegt eine Unterschätzung von Problemen und auch Spielverhalten und durch die online Befragung eine Überschätzung.

00:04:46: deshalb ist die Frage Wo liegt die Wahrheit?

00:04:49: Liegt irgendwo in der Mitte.

00:04:50: Wir hoffen, dass wir sie näherungsweise erreichen und mischen das in einem Verhältnis.

00:04:55: Bei uns zählen die Telefonen Interviews zwei Drittel und die Daten aus der Onlineerhebung ein Drittel.

00:05:04: So macht das zum Beispiel auch Infatestima, wenn Sie die Sonntagsfrage stellen, wen Sie am nächsten Sonntag wählen würden.

00:05:13: Es gibt da noch kein Goldstandard.

00:05:15: Wir bemühen uns, nährungsweise dahin zu kommen und denken auch das ist uns so gut gelungen ja?

00:05:22: Ja und es ist auf jeden Fall eine wichtige Erweiterung weil ich denke per Telefon erreicht man einfach gar nicht die Breite der Bevölkerung.

00:05:32: Was sind denn aus deiner Sicht die wichtigsten Befunde die ihr mit dem Glücksspielz-Fahrwerk jetzt so erhoben

00:05:38: habt.

00:05:39: Also, Verina, wenn das okay ist, würde ich gerne eigentlich zusammen diese Jahre seit einundzwanzig betrachten wollen?

00:05:47: Gerne!

00:05:48: Wir haben das ja dreimal gemacht.

00:05:49: Ich sagte schon im Rhythmus von jeweils zwei Jahren ... Das sind insgesamt vier Jahre, einund zwanzig drei und fünfundzwanzig.

00:05:56: Da zeichnen sich möglicherweise Trends ab.

00:06:01: Und die wesentlichste Feststellung ist erst mal, dass das Glücksspielverhalten in diesen paar Jahren sehr stabil war.

00:06:07: Also wir haben eine ... Das nennt man dann Prävalenz?

00:06:10: Eine Glückspielprävalenz in Deutschland von ungefähr gut ein Drittel.

00:06:17: also wir haben so drein, dreißig bis sechsunddreißig Prozent aller erwachsenen Personen ich muss das ein bisschen korrigieren bis siebzig.

00:06:26: Wir haben nur die bis Siebzigjährigen drin.

00:06:29: Das sollte man zukünftig übrigens auch erweitern im Zusammenhang mit dem, mit der älter werdenden Gesellschaft.

00:06:36: Aber in dieser Breite zwischen sechzehn und siebzig Jahren haben wir ungefähr ein Drittel an Personen die sagen Sie haben mindestens einen Glücksspiel um Geld in den letzten zwölf Monaten gespielt.

00:06:51: das kann Lotto sein, das kann Rollett sein, dass kann das Automatenspiel sein Und diese Zahlen sind sehr sehr stabil.

00:06:58: so.

00:06:58: Das ist der erste Punkt.

00:06:59: Der zweite Punkt ist, dass wir auch in Bezug auf Glücksspielprobleme ... Wir sprechen von Glückspielstörungen.

00:07:06: Dass es ein sehr stabiler Wert liegt bei gut zwei Prozent.

00:07:10: In den drei Jahren hatten wir Anteile von zwei vier bis zwei Prozent die offensichtlich eine Glückspielstörung haben.

00:07:21: Das sind umgerechnet ungefähr eins, zwei, eins, drei Millionen Menschen und das zeigt dann auch das Problemausmaß.

00:07:28: Also in Anbetracht sozusagen dieser Zahl kann man schon davon sprechen, dass das auch ein Problem der Public Health oder der öffentlichen Gesundheit ist und eine Relevanz haben.

00:07:40: Und darüber hinaus gibt es noch einen bestimmten Anteil die auch über ein riskantes Spiel verhalten weisen.

00:07:46: Das sind so zwei wesentliche Erkenntnisse sehr stabil.

00:07:50: Ich sagte ja schon eingangs was eine Besonderheit Unsere Präsentativerhebung, dass wir nicht nur die Teilnahme und die Probleme erfassen.

00:08:00: Sondern wir fragen auch die Bekanntheit und Akzeptanz von Maßnahmen des Spielerschutzes ab.

00:08:06: ungefähr zehn Stück Das sind alles Maßnahmen, die der Glücksspielstaatsvertrag vorschreibt.

00:08:14: Das beginnt bei Aufklärungsmaßnahmen.

00:08:16: Es gibt ja bestimmte Werbebeschränkungen, wir fragen aber auch nach Spielersperren und Limitierung gibt es all das Fragen, wer ab?

00:08:26: Und da zeigt sich schon Trend.

00:08:28: Also beim Glücksspiel behalten weniger, gibt's keine großen Veränderung.

00:08:33: Aber da gibt es jetzt erst mal die Erkenntnis dass die Akzeptanz dieser Spielerschutzmaßnahme zunimmt.

00:08:40: uns war auch signifikant über die Jahre Und das bewerten wir erstmal positiv, dass diese Instrumente – das ist ja Verhaltens- und Verhältnisprävention.

00:08:49: Das ist ein ganzer Werkzeugkasten, der erst mal nicht nur von einer allgemeinen Bevölkerung sondern vor allem auch bei den Glücksspielen eine hohe Akzeptanz erfahren hat.

00:09:00: Deshalb ist es irgendwie ein wichtiges empirisches Datum für diejenigen, die Politik machen, die darüber entscheiden, an sich dieser Instrumentenkasten erfährt in der Bevölkerung eine gute Akzeptanz.

00:09:14: Das sagt aber, wenn ich das noch ausführend habe, noch nichts über die Wirksamkeit dieser Maßnahmen, weil so weit geht unser Survey nicht dass wir die Wirksamkeit der einzelnen Maßnahme fassen.

00:09:23: dazu braucht man spezielle Untersuchungen und Ich kann auch einfach an dieser Stelle auch nochmal betonen Dass ich das wirklich sehr bedauere, dass wir noch keine spezielle Studie zur Effektivität der Spielersperren haben.

00:09:39: Das wäre auf jeden Fall auch aus meiner Sicht, auch es gibt eine gemeinsame Glücksspielbehörde der Bundesländer die sind ja zuständig für die Förderung der Glückspiel-Suchtforschung in diesem Bereich.

00:09:52: Die sollen ja auch bestimmte Erprobungsvorhaben und Erkenntnisse sammeln und das wäre eine Sache die man aus meiner Sicht unbedingt machen müsste.

00:09:59: mal eine Wirksamkeitsstudie zu dem Sperrsystem was wir seit Ja,

00:10:07: in jedem Fall.

00:10:08: Also du hast jetzt gerade schon so die Akzeptanz des Spielerschutzes angesprochen der ja auch ganz wichtig ist vielleicht auch ein Stück weit zeigt dass so ein gewisses Problembewusstsein durchaus vorhanden ist.

00:10:19: worauf führst du das zurück?

00:10:20: Dass der Spieler Schutz... dass die Akzeptanz für die Spielerschutzmaßnahmen so deutlich angestiegen ist.

00:10:26: gibt es da irgendwie Anzeichen?

00:10:28: oder

00:10:30: Da habe ich jetzt auch keine abschließende Erklärung.

00:10:33: Aber wir haben ja, wenn es um Werbebeschränkungen geht gibt's die Diskussion über Tabak und Alkohol.

00:10:40: von daher denke ich, haben wir schon so in der Bevölkerung eine Mehrheit für eine strikte Werteinschränkung bei, wenn das um Suchtmittel geht.

00:10:50: Das ist wie ein Suchtmitteln, was potenziell gefährlich ist.

00:10:55: dann gehe ich davon aus, dass diese hohen Akzeptanzwerte bei Werbebeschränkungen auch mit der generellen Diskussion zusammenhängen.

00:11:04: Also so eine allgemeine Akzeptanzen?

00:11:05: Und Aufklärung

00:11:06: finden auch viele gut und das ist ja auf jedem Lotto-Schein.

00:11:11: Auch bei jeder Spielhalle gibt es Suchtinweise.

00:11:17: Man weiß über die begrenzte Wirkung wenn man Prävention alleine auf Aufklärungen ... beschränkt, aber das zeige ich ja, dass da was in der Bevölkerung in den letzten Jahren angekommen ist.

00:11:27: Ja?

00:11:28: In jedem Fall!

00:11:30: Ich würde gerne noch mal bei dem stabilen Glücksspielverhalten einhaken.

00:11:34: Du hattest es eben schon berichtet... Und der Survey zeigt ja auch, dass die unterschiedlichen Spielformen mit sehr unterschiedlichen Risiken in Verbindung stehen.

00:11:45: Welche Spielforms sind aus dieser Public Health-Perspektive besonders problematisch?

00:11:51: Vielleicht kannst du uns erläutern, woran das liegt.

00:11:54: Ja also ... Wir haben das ja auch ein Stück weit mit erhoben, aber man weiß aus der ganzen internationalen Forschung, dass Glückspiel nicht gleich Glücksspiel ist.

00:12:04: Dass sie verschiedene Glückspieformen unterschiedliches Gefährdungspotenzial haben und das hängt vor allem mit der Ereignisfrequenz zusammen.

00:12:15: Das kann man so generell sagen umso schneller ein Spiel ist, umso gefährlicher ist es weil dann die Möglichkeit besteht schneller darüber die Kontrolle zu verlieren.

00:12:25: Es gibt Lotto, das hat eine niedrige Geschwindigkeit oder eine niedrigere Ereignisfrequenz wenn ich Freitag in die Annahmestelle gehe und ein Lottoschein für sechs aus.

00:12:36: neun und vierzig abgeben ist der Zeitraum zwischen Abgabe des Scheins und der Auflösung der Frage ob ich gewonnen habe oder nicht.

00:12:43: Der ist ziemlich groß.

00:12:45: Wenn ich in eine Spielhalle gehe dann drehen sich die Walzen ein- oder zwei Sekunden vom Automaten.

00:12:52: Da spricht man dann von einer extrem hohen Ereignungsfrequenz.

00:12:55: Das ist ein ganz zentrales Strukturmerkmal, was den Gefährdungspotenzial von Glücksspielen beschreibt.

00:13:03: Das weiß man auch von Sportbetten.

00:13:05: Es ist ein Unterschied ob ich eine sogenannte Festquotenwette mache.

00:13:10: da gehe ich in einen Wettbüro und gebe vom Bundesligaspieltag meine Tipps ab wer gewinnt Heimmannschaft oder Auswärtsmannschaft, oder ob das Spiel unentschieden.

00:13:21: Aus geht.

00:13:21: es dauert ein paar Stunden bis ich weiß, ob ich gewonnen habe oder nicht und es gibt die Live-Wetten.

00:13:28: Man kann ungefähr hundertfünfzig verschiedene Betten während eines Bundesligaspiel abgeben.

00:13:35: Da ist die Geschwindigkeit sehr hoch.

00:13:36: Das sind die Livewetten und da ist die Gefahr, dass sich die Kontrolle darüber verliert dann auch besonders groß.

00:13:42: ja so.

00:13:43: So, das weiß man ganz generell.

00:13:47: Wir werden das jetzt in unserem Survey danach aus.

00:13:51: Wir gucken uns an, die Personen, die über eine Glücksspielstörung verführen und welche Spiele sie machen.

00:14:00: Und da kann man eben dann auch sehen ... Das bedeutet noch nicht, dass das die Ursache von Glückspielproblemen ist, weil in der Regel Glückspiegeschwörte ... Personen praktizieren drei, vier oder auch mehr verschiedene Formen.

00:14:14: Aber es ist trotzdem empirischer Hinweis, wo es besondere Gefährdungspotenzial gibt.

00:14:19: und dann kann man eben sehen dass diejenigen, die in Spielhallen sind oder auch in Spielbanken und da das Automatenspiel betreiben oder online also virtuelle Automatinspiele machen, das ist ungefähr ein Drittel.

00:14:35: Also jeder dritte der dort spielt hat eine Glücksspielstörung.

00:14:40: Und das ist, wenn ich das sozusagen beim Lotto mir angucke oder bei Spielen mit einer niedrigen Ereignisfrequenz sind die entsprechenden Anteile viel geringer.

00:14:52: also von daher kann man in diesen Zahlen ein Stück weit auch das wiederfinden was man noch international weiß über den unterschiedlichen Gefährdungsgrad.

00:15:01: und da

00:15:01: auf Rückgröße

00:15:02: ziehen.

00:15:03: ja genau okay Gibt es, kann man auch Aussagen darüber treffen, welche Bevölkerungsgruppen so ein besonders hohes Risiko haben?

00:15:12: Ja.

00:15:12: Man weiß das ist vor allem die Altersgruppe junger Männer.

00:15:17: also da haben wir überdurchschnittlich hohe Werte.

00:15:20: Wir haben den höchsten Anteil von Problem in der Gruppe achtzehn bis fünfundzwanzig.

00:15:27: Da haben wir einen Anteil und vier Komma sechs Prozent.

00:15:29: Ich dachte ja sonst bei zwei Prozent.

00:15:32: Also dass is mehr als doppelt so hoch.

00:15:35: Auch das weiß man aus der internationalen Forschung, von daher spiegeln sich da unsere Zahlen sehr gut wieder.

00:15:41: Das sind vor allem junge Männer.

00:15:43: Ja du sprachst jetzt grad schon die jungen Männer an?

00:15:46: Gibt es da Hinweise auf Veränderungen im Einstiegsalter?

00:15:50: Also wir haben das einstiegsalter nicht erhoben.

00:15:53: also da kann ich eben...also das wollte ich noch mal ganz generell vielleicht zu dem Survey sagen Wir verstehen den Service so, dass wir Grunddaten zur Glücksspielteilnahme liefern.

00:16:06: Wir können auch nicht wirklich alles abfragen.

00:16:10: Unser Interview dauert so schon zwanzig bis dreißig Minuten und deshalb können wir auch nicht auf jede Frage eine Antwort geben.

00:16:17: aber das ist auch gar nicht Anspruch.

00:16:19: also wir wollen ja eine empirische Grundlage haben wo dann auch Fragen gestellt werden dürfen oder sollen die man dann in Speziellen Untersuchung weiter nachgehen kann.

00:16:28: Wir haben in den vier Jahren das nicht festgestellt, wir haben auch gar nicht diese Frage gestellt und da haben wir jetzt auf Grundlage unterzahlen keine Verschiebungen.

00:16:38: Das ist alles sehr gleichbleibend ja?

00:16:40: Ja du hast es gesagt so junge Männer sind gerade so eine Gruppe die tatsächlich mehr als doppelt so oft getroffen sind.

00:16:49: Hast Du eine Idee?

00:16:49: welche Ursachen können dahinter stehen?

00:16:53: Ich denke, es gibt da nicht eine Ursache.

00:16:56: Aber man weiß ... das ja auch generell aus ... Das hängt mit dem Risikoverhalten zusammen in dem Alter.

00:17:06: Aus der Unfallstatistik weiß man genau die Gruppe, die dann betrunken überhöht Auto fährt.

00:17:13: Das ist so nach achtzehn und so.

00:17:16: Ja?

00:17:17: Also das hängt sicherlich mit solchen Faktoren.

00:17:20: die suchen nach Spaß und vergnügen eigene Grenzen austesten, denn man hat das erste selbst verdiente Geld.

00:17:29: Ein Teil kommt damit ja auch gut zurecht, aber es ist eben ein bestimmter Anteil der sich dann in diesem Spiel verliert.

00:17:36: Dann anfängt den Verlusten im Nacht zu jagen...

00:17:40: Und vielleicht auch besonders risikofreudig einfach in

00:17:42: dem Alter?

00:17:43: Genau, genau.

00:17:43: Das fängt mit der generellen.

00:17:45: Da gibt's eben auch diese geschlechtsbezifischen Unterschiede.

00:17:49: Wenn wir jetzt noch mal so auf besonders riskante Spielformen schauen, du hast das eben ja schon ein bisschen erklärt mit der Ereignisfrequenz.

00:17:56: Die ist da ein ganz wichtiges Kriterium.

00:17:59: Da sind natürlich auch virtuelle Automatenspielen-Thema und damit gibt es eine sehr aktuelle regulatorische Entscheidung.

00:18:08: die gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, die GGL hat zum ersten Juli diesen Jahres das Einsatzlimit bei virtuellen Automatinspielen erhöht kommuniziert über einen FAQ, was man sich auf der Internetseite herunterladen kann.

00:18:24: Wie beurteilst du dieses Vorgehen so aus der Perspektive Transparenz, Public Health, evidenzbasierte Regulierung?

00:18:32: Also ich kann erst mal sagen aus unseren Zahlen wir haben dann gleichbleibenden Anteil von unter einem Prozent.

00:18:38: also das machen erstmal nicht viele Das ist ja seit Juli einundzwanzig überhaupt erlaubt virtuelles Automaten Spielen, man weiß da sehr wenig drüber bis hier.

00:18:52: Aber ich sagte ja schon ... Auch wenn das eine kleine Gruppe ist, haben wir ein Drittel mit Problemen, die da spielt und von dem Hintergrund kann ich das gar nicht richtig nachvollziehen.

00:19:05: Dass man solche Sachen jetzt so kurzfristig auch hinter verschlossenen Türen entscheidet, dass das überhaupt gar nicht ... vernünftig kommuniziert worden ist, dass es dazu keine Sachverständigen-Anhörung gab.

00:19:20: Wir sprechen ja hier über zentrale Parameter ne?

00:19:23: Ich hab ausführend schon zur Ereignisfrequenz gemacht und zum Geldeinsatz das sind ja ganz zentrale Parameter.

00:19:33: wenn ich jetzt innerhalb von fünf Sekunden fünf Euro verlieren kann.

00:19:38: Ist das ja was ganz anderes als wenn ich vorher ... fünf Sekunden zu verlieren.

00:19:46: Da stellt man sich schon bestimmte Fragen und mit dem internationalen Kenntnisstand zum Spielerschutz, da passt das überhaupt nicht zusammen.

00:19:55: Das besteht ja eher das Risiko, dass ich innerhalb kürzester Zeit Menschen ganz schlimm verschulen.

00:20:02: Wenn man dann eine Hochrechnung macht, kann ich in einer Stunde drei tausend sechshundert Euro verlieren.

00:20:08: So rein theoretisch und es gibt ja die Möglichkeit dann auch, wir haben zwar ein generelles Einsatzlimit von Tauden aber man kann das auch auf Zehntausend erhöhen.

00:20:16: Ja ich kritisiere das absolut, absolut!

00:20:19: Und vor allem dass in so eine Entscheidung nicht die Wissenschaften einbezogen wird und auch die Praxis, also das wäre jetzt meine erste Forderung gewesen, dass bevor so eine weitreichende Entscheidung getroffen wird, man die Praxis anhört.

00:20:35: Wir wissen hier auch aus der Praxis Der Anteil der Menschen, die mit dem Online-Bluckspiel Probleme haben zunimmt.

00:20:43: Es gibt die Befunde über die Ereignisfrequenz und die Einsatzhöhe aus der Wissenschaft.

00:20:47: Und dass dann so eine Entscheidung hinter verschlossenen Türen fällt... Das finde ich Harnbüchend!

00:20:55: Ich glaube, da sind wir uns auch sehr einig.

00:20:57: Das darf eigentlich nicht sein und läuft ja auch völlig allen Empfehlungen zu wieder.

00:21:02: Auch die Konferenz der Gesundheitsminister hat sich geäußert, dass mehr Schutz notwendig ist.

00:21:10: Wir wissen aus dem Hilfesystem, dass sich das problematische Spielverhalten bei virtuellen Automaten schnell entwickeln kann.

00:21:19: Wie relevant ist dieses Tempo noch mal für die Bewertung regulatorischer Lockerungen?

00:21:24: Ja, darüber habe ich jetzt keine einzelnen wissenschaftliche Erkenntnisse.

00:21:29: Das finde ich erst mal nachvollziehbar Verena deine These aber ich kann da jetzt nichts... Man spricht ja generell das ist ja ähnlich wie beim Alkoholismus von einer chronifizierenden Erkrankung.

00:21:40: also die Glücksspielsucht kommt auch nicht über Nacht, sie brauchen ein paar Jahre um sich zu entwickeln.

00:21:46: Das hängt mit dem Kontrollverlust einfach der Menschen zusammen und über einzelne Spielformen.

00:21:52: wie lange das dauert Kann ich jetzt so, man tut keine Aussage machen.

00:21:57: Dazu ist das auch noch zu neu in

00:21:59: Deutschland.".

00:22:00: Vielleicht dazu ganz kurz vom Hilfetelefon noch ein kleiner Einschub?

00:22:03: Wir haben es tatsächlich sehr häufig, dass sich Menschen das erste Mal an das Hilfesystem wenden am Hilfetelefon und berichten, dass sie erst seit wenigen Monaten überhaupt... an virtuellen Automatenspielen teilgenommen haben und schon massive Probleme entwickelt haben.

00:22:18: Das ist natürlich nicht mit der Diagnose Sucht

00:22:20: hinterlegt?

00:22:20: Ja, das ist ja so-und-so, dass Fatale an dieser Entscheidung die Einsatzhöhe von eins auf fünf Euro zu erhöhen.

00:22:29: also es ist erst seit vier Jahren in Dortmund zugelassen und wir wissen über diese Gruppe ja nichts.

00:22:35: Also dazu gibt es auch bisher überhaupt keine speziellerin Untersuchung.

00:22:40: ob das Beginner sind oder ob die vorher terrestrisch gespielt haben in Spielhörn- oder Spielbanken, das müsste man ja erst mal irgendwie erheben und eine empirische Grundlage da reinkriegen bevor man solche Entscheidungen trifft.

00:22:59: Du hast es jetzt an ganz vielen Stellen zu ganz vielen Themen schon gesagt eigentlich brauchen wir da mal Daten dazu?

00:23:06: Eigentlich müssten wir das mal genauer untersuchen.

00:23:10: Jetzt haben wir diese Entscheidung von der GGL.

00:23:13: Wie würdest du es bewerten?

00:23:14: Ist das aus deiner Sicht eher ein Einzelfall schlechter Kommunikation oder würdest Du sagen, dass ist ein grundsätzliches Problem.

00:23:21: Ja, das mache ich so in Gänze nicht beurteilen.

00:23:25: Die GGL hat ja bisher drei größere Forschungsprojekte gefördert.

00:23:31: aber Ich finde das schon fatal eine gemeinsame Behörde der Bundesländer die auch zuständig sind für die Förderung der Glücksspielforschung, dass sie ohne einen Bezug von Studien und der Wissenschaft so eine Entscheidung treffen.

00:23:48: Dass die Einsatzhöhe von eins auf fünf Euro erhöht wird.

00:23:52: Das möchte ich jetzt einfach mal so stehen lassen – das spricht auch für sich!

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